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Gesundheit
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Aids - ein wenig Geschichte
Im Juni 1981 berichteten die «Centers for Disease Control and Prevention» (CDC) in den USA in ihrem wöchentlichen Bulletin zum ersten Mal über seltene Krankheitsbilder, die bei homosexuellen Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren an der Ostküste der USA beobachtet worden waren: Vom Oktober 1980 bis Mai 1981 traten fünf Fälle von Pneumocystis-carinii-Pneumonie, einer seltenen Lungenentzündung, auf. Im Juli 1981 berichteten die CDC über 26 Patienten mit einem bis dahin selten beobachteten Tumor, dem so genannten Kaposi-Sarkom, die in den letzten dreissig Monaten erkrankt waren. Bis dahin waren praktisch ausnahmslos ältere Männer an Kaposi-Sarkomen erkrankt. Bald darauf meldeten medizinische Zeitschriften weitere Fälle von Kaposi-Sarkom und gehäuften Infektionskrankheiten, die bei jungen Männern auftraten. Es dauerte nicht lange, bis die medizinische Fachwelt erkannte, dass es sich bei diesen Fällen um ein neues Krankheitssyndrom handelte, das heute Aids «Acquired Immuno Deficiency Syndrom» (erworbenes Immunschwächesyndrom) genannt wird.
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Eine weltweite Suche nach den Ursachen setzte ein. Schon zu Beginn erinnerte das epidemiologische Erscheinungsbild von Aids an die Hepatitis B (infektiöse Gelbsucht). Die Vermutung lag deshalb nahe, dass ein infektiöser Erreger Aids verursachen könnte. Tatsächlich entdeckte Luc Montagnier 1983 in Frankreich, später Robert Gallo in den USA, ein bis dahin unbekanntes Virus: das «Human Immunodeficiency Virus» (HIV). Dieses Virus wird heute als Auslöser der Immunschwäche angesehen. Es ist möglich, dass andere Faktoren den Verlauf der Immunschwäche beeinflussen, doch die Bedingung für die Krankheit Aids ist die Infektion mit dem HI-Virus.
Noch bevor das HI-Virus als Auslöser von Aids entdeckt wurde, waren seine wichtigsten Übertragungswege bekannt: Die Mehrheit der Neuinfektionen erfolgt beim ungeschützten Geschlechtsverkehr oder beim Tausch gebrauchter Spritzen oder Nadeln für den Drogenkonsum. Das Virus kann aber auch während der Schwangerschaft, der Geburt oder dem Stillen von der Mutter auf ihr Kind weitergegeben werden. Bis 1987 war eine Infektion auch über Blutkonserven oder Blutprodukte möglich. Seither werden in allen Ländern Europas alle Blutspenden getestet. Dennoch bleibt ein statistisches Restrisiko: Etwa bei einer von 600'000 Bluttransfusionen kann es zu einer Infektion kommen.
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Für eine Infektion braucht es nicht nur virushaltige Flüssigkeit, sondern auch eine Eintrittspforte, durch die das Virus in den Körper gelangt. Bei HIV kann dies die Blutbahn sein oder die Schleimhaut von Scheide, After oder Harnröhre. Die unverletzte Haut bietet einen wirksamen Schutz vor HIV. Das Virus wird nicht durch die Luft, durch Insektenstiche, Husten, Niesen, durch Berühren, Küssen oder etwa durch gemeinsames Benützen von Ess- und Trinkgeschirr, Toiletten oder Bädern übertragen.
Nicht jeder Kontakt mit HIV führt zu einer Übertragung Im Gegensatz zu anderen Viren, wie etwa den Schnupfen-, Masern- oder Gelbsuchtviren, sind HI-Viren wenig ansteckend, d. h., nicht jeder Kontakt führt zu einer Infektion. Bei einigen Paaren, von denen ein Teil HIV im Körper hatte, kam es deshalb trotz regelmässigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über mehrere Jahre hinweg zu keiner Übertragung. Andererseits sind jedoch Fälle bekannt, bei denen eine Übertragung schon bei einem einzigen ungeschützten Sexualkontakt stattfand. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei einem einmaligen ungeschützten Geschlechtsverkehr ist zwar klein, aber wegen der möglichen Konsequenzen ist jedes Risiko zu gross. Die Übertragungswahrscheinlichkeit beim Tausch gebrauchter Spritzen gilt demgegenüber als hoch, weil eine direkte Übertragung von virushaltigem Blut erfolgt. Gelangt das HI-Virus hingegen an die Luft, so ist es in der Regel innert weniger Stunden nicht mehr infektiös. Wie kann man sich vor einer Übertragung schützen? Im täglichen Zusammenleben mit Menschen mit HIV und Aids besteht keine Gefahr, dass das Virus übertragen wird. Es gibt nur wenige Situationen, in denen ein Schutz vor einer Übertragung notwendig ist. Konkret bedeutet dies:
Keine gebrauchten Spritzen verwenden. Beim Geschlechtsverkehr: Präservative benützen, es sei denn das Paar lebt und liebt in einer langjährigen, gegenseitig treuen Partnerschaft und beide konsumieren nicht intravenös Drogen. Beim oralen Geschlechtsverkehr ist darauf zu achten, dass weder Sperma noch während der Menstruation Vaginalflüssigkeit auf die Mundschleimhaut des aktiven Partners gelangt. Eine Impfung gegen HIV ist nicht vorhanden
Bis heute gibt es keinen Impfstoff, der eine Infektion mit HIV verhindern könnte. Das liegt einerseits daran, dass sich das HI-Virus mit bestimmten Eigenschaften der Wirksamkeit eines konventionellen Impfstoffs entzieht; ein Phänomen, das - in milderem Ausmass - auch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Grippeviren zu beobachten ist. Andererseits sind die Eigenschaften des Virus und die menschliche Virusabwehr noch nicht genau genug bekannt, um einen wirksamen Impfstoff zu finden. Viele Forschergruppen suchen aber weiterhin intensiv nach Impfstoffen, und einige Kandidaten befinden sich derzeit in der klinischen Prüfung. Behandlung, Beratung, Betreuung Eine HIV-Infektion ist bis heute nicht heilbar. Die Krankheit lässt sich jedoch zunehmend besser behandeln. Die neuen Kombinationstherapien gegen HIV bewirken eine Hemmung der Virusvermehrung und damit eine Erholung der Abwehrkraft. Das führt zu einer besseren Befindlichkeit und einer geringeren Krankheitsanfälligkeit gegenüber opportunistischen Erregern. Diese erwünschten Wirkungen erachten die meisten Menschen als wesentlich wichtiger als die mit der Wirkstoffeinnahme verbundenen Einschränkungen und Nebenwirkungen. Nebst den Fortschritten in der Behandlung der HIV-Infektion ist es aber auch gelungen, die Vorbeugung und Behandlung von opportunistischen Infektionen besser den Bedürfnissen von Menschen mit HIV und Aids anzupassen. Die meisten Behandlungen können ambulant, d.h. ohne Spitalaufenthalt, durchgeführt werden. So wird die Infektion heute gelegentlich bereits mit anderen chronischen Krankheiten, etwa mit der Zuckerkrankheit oder dem Bluthochdruckleiden verglichen, da auch bei diesen Krankheiten durch eine vorschriftsgemässe Einnahme von Medikamenten unter regelmässiger Kontrolle des Behandlungseffekts und möglicher Nebenwirkungen das Auftreten von Komplikationen vermieden werden kann. Der langfristige Nutzen der meist recht einfachen Behandlung dieser altbekannten und verbreiteten Krankheiten ist erwiesen. Die Behandlung der HIV-Infektion ist allerdings komplizierter und die Erfahrung mit Kombinationstherapien gegen HIV bisher auf wenige Jahre beschränkt. Menschen mit HIV/Aids fühlen sich darum oft verunsichert. Sie fürchten Nebenwirkungen und Rückschläge. Es ist wichtig, diesem Sachverhalt bei der Begleitung von Menschen mit HIV und Aids Rechnung zu tragen. Die Lebensqualität von Menschen mit HIV und Aids ist heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren. Ein Hinweis darauf ist auch, dass die Anzahl und die Dauer der Spitalaufenthalte von Menschen mit HIV und Aids markant abnahmen. Georg Linsi, AIDS-Hilfe Schweiz
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